Buchrezension: „ juris lex – Sammlung 1. und 2. Semester“

Auch wenn der Autor, jedenfalls in Anbetracht des Studienverlaufsplans, die ersten beiden Semester des Jurastudiums mittlerweile weit hinter sich gelassen hat, ist ihm die Ehre zuteil geworden, das neue Produkt aus dem Hause Juris, die Gesetzessammlung Juris Lex zu rezensieren. Dabei war die erste Frage: „Wie rezensiert man überhaupt eine Gesetzessammlung?“. Eine kurze Googlesuche war dabei sehr hilfreich, jedoch sollte sich diese Rezension in erster Linie nicht nur mit der Handlichkeit und der sonstigen Haptik des vorliegenden Werkes befassen. Vielmehr soll es auch um dessen Praktikabilität im Studium und den durch die Gruppierungen der Gesetze geschaffenen Mehrwert gehen.

juris lex  Band 2 Einband der Druckversion

Auch, aber nicht ganz so rot

Die Redaktion der Juris Lex-Reihe hat sich auf die Fahne geschrieben, jedem Rechtsanwender so viele Gesetze wie nötig und so wenig Gesetze wie möglich in jeder einzelnen Sammlung zur Verfügung zu stellen; im Gegensatz zu den roten Backsteinen aus dem Hause C.H. Beck, die zwar einerseits, gemessen an den Anforderungen der Praxis, einen sehr hohen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können, den gemeinen Jurastudenten jedoch mit einer großen Zahl an, für dessen Ausbildungsstand mehr oder weniger belanglosen, Nachlieferungen und einem doch nicht zu unterschätzenden Gewicht plagen und das trotz der nahezu haarfeinen Seiten.

juris lex  Band 2 Layout der Druckversion Paragraph 46 StGB Strafzumessung

Genug Platz für angenehmes Lesen

Gerade die Haptik von juris lex überzeugt hier, die Seiten lassen sich angenehm blättern. Auch der Schriftsatz und die angenehm großzügige Spaltenbreite fällt sehr positiv auf. Es erleichtert insbesondere das Lesen längerer, komplexer Normen.

Hinsichtlich der harten Fakten noch eine kleine Überraschung, die hier rezensierte Ausgabe bringt ungefähr 1,2 Kilogramm auf die Waage, während ein Schönfelder ungefähr 2,3 kg wiegt. Gemessen am inhaltlichen Umfang, war die Gewichtseinsparung nicht so hoch, wie erwartet. Das ist aber wohl auch der deutlichen besseren Haptik geschuldet. Dies soll aber auch der letzte Vergleich mit einem Schönfelder gewesen sein, denn die vorliegende Gesetzessammlung richtet sich an Studenten im ersten und zweiten Semester. Dies ist noch der Zeitraum, in dem sich die meisten mit den Gesetzen aus der dtv-Taschenbuchreihe über Wasser halten, auch wenn einer der Dozenten des Autors diese schon im dritten Semester als „Lustige Taschenbücher“ tituliert und gemahnt hat, sich doch das „richtige“ Gesetzbuch zu kaufen.

Der große Vorteil dieser kompakten Sammlung ist, dass sie tatsächlich sämtliche Gesetzestexte umfasst, die für das Studium der Rechtswissenschaft in Rheinland-Pfalz in den ersten beiden Semestern benötigt werden. Im Klartext: Nie wieder das falsche Gesetz dabeihaben.

juris lex  Band 2 Druckversion Inhaltsverzeichnis

Alles da? Fast…

Wobei vorangegangene Aussagen mit Vorsicht zu genießen ist, denn einige Gesetze sind in dieser Sammlung nur auszugsweise abgedruckt. Dies betrifft nachvollziehbarerweise die Zivilprozessordnung, das Bundeswahlgesetz und die Geschäftsordnung des Bundestages.

Die Entscheidung jedoch, das Strafgesetzbuch nur bis zu § 305a StGB abzudrucken und die §§ 243-302 StGB wegzulassen, erschließt sich absolut nicht. Sicher könnte man zwischendurch zunächst auf einige Normen aus dem AT, aus den Staatsschutzdelikten und den Geheimnisschutzdelikten verzichten, warum aber gerade die Diebstahlsqualifikationen (mit § 244a StGB kann man wunderbar das Verständnis für § 30 StGB testen), Raub, Betrug, Brandstiftung und Straßenverkehrsdelikte nicht mehr mit abgedruckt sind, erscheint völlig willkürlich. Die letzten beiden Deliktsgruppen waren nämlich Bestandteil in der kleinen Strafrechtshausarbeit des Autors und wurden auch sonst in den AT Vorlesungen teilweise als Beispiele für abstrakte und konkrete Gefährdungsdelikte bemüht. Außerdem kommt man nicht umhin, im Rahmen der Besprechung von §§ 20, 21 StGB auch ein paar Worte zu § 323a StGB zu verlieren. Ein Abschneiden alleine der Bankrott-, Umwelt- und Amtsdelikte wäre wiederum nachvollziehbar gewesen. Jedenfalls wird die Gewichtseinsparung wohl kaum nennenswert gewesen sein.

Nachvollziehbarer ist die Entscheidung, nicht das vollständige BGB abzudrucken. Man hat jedoch genau wie beim StGB die Lösung gewählt, dieses nur bis zu einem bestimmten Punkt abzudrucken und nicht etwa die für das erste und zweite Semester irrelevante Normen heraus zu lassen. Man muss sich also mit den ersten drei Büchern begnügen und das Sachenrecht reicht hier auch nur bis zu § 1007 BGB. Sicher wird man in diesem Ausbildungsstadium weder Pfand- noch Hypotheken- oder Grundschuldrecht benötigen, jedoch gibt es einige familien- und erbrechtliche Normen, die bereits für die Vorlesung BGB AT von Bedeutung sind, sei es die elterliche Sorge hinsichtlich beschränkt geschäftsfähiger Kinder, die Betreuung von Geschäftsunfähigen oder das Testament als Inbegriff einer einseitigen Willenserklärung.

Sehr positiv ist der Umstand hingegen, dass die relevanten landesrechtlichen Normen zur juristischen Ausbildung enthalten sind.

juris lex  Band 2 E-Book Inhaltsverzeichnis

Für schnellen Zugriff: Verlinktes Inhaltsverzeichnis

Fraglich ist der Mehrwert des E-Books, denn es ist zwar richtig, dass man für die Aktualität der Gesetze selbst verantwortlich ist, wenn man sie als PDF von gesetze-im-internet.de herunterlädt. Allerdings kann man stattdessen auch die non-permanente Variante in Form der kostenlosen Gesetze-App verwenden. Diese enthält allerdings kein Landesrecht, sodass es hier tatsächlich einen „use case“ gibt, in der das E-Book vorne liegt.

 

 

 

juris lex  Band 2 Layout des E-Book Paragraph 433 BGB Kaufvertrag

Der unterstrichene Normtext ist etwas gewöhnungsbedürftig

Die Nutzung des E-Book Gesetzes gestaltet sich intuitiv, sobald man es denn endlich in seine kindle App geladen hat. Der Weg dahin ist es nämlich leider nicht. Die Dokumentation ist allerdings sehr ausführlich und bebildert, sodass es letztlich jedem gelingen sollte, sein juris lex Band auch elektronisch verfügbar zu haben.

Abschließend bleibt zu sagen, dass jedenfalls der Band für das 1. & 2. Semester seine 24,95€ in jedem Fall wert ist, alleine schon, wenn man die Anschaffungspreise der sonst einzeln notwendigen Gesetzbücher aufaddiert. Inwiefern dies auch bei den anderen Bände der Fall ist, lässt sich schwer beurteilen.

Noch Fragen?

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