Buchrezension: „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“

In diesem Spiegel-Bestseller von Werner Koczwara sollte viel lustiges über das deutsche Rechtssystem stehen, ähnlich wie beim BGB von der Wiege bis zur Bahre. Die FAZ lobt den Autor als brillanten Rethorik und Ottfried Fischer nennt in „Pointen-Papst“.

Nach einer sehr widerstrebenden Lektüre, oder auch schon nach dem Vorwort wird einem schnell klar: Nur wer Mario Barth für einen Kabarettisten und RTL II für Bildungsfernsehen hält, jagt hier von einem Schenkelklopfer zum anderen. Beim Lesen des Buches fühlt man sich unweigerlich an einen Stammtisch versetzt, an dem über juristische Kuriositäten gelacht wird, ohne auch nur eine Sekunde über den möglichen Sinn und Zweck der Regelung nachzudenken.
Ein Kapitel befasst sich beispielsweise mit den §§ 961ff. BGB, die sich mit herrenlos gewordenen Bienenschwärmen auseinandersetzen. Natürlich wirkt dies zuerst komisch, aber wenn man sich über die Tatsache im klaren ist, dass das BGB Ende des 19.Jahrhunderts entstanden ist, eine Zeit in der das Halten von Bienen noch deutlich verbreiteter war, kommt man zu dem Schluss, dass eine Regelung für solche Fälle in Form der §§961 ff. BGB getroffen werden musste. Doch dies wird dem Leser des Buches leider vorenthalten und man erhält dadurch den Eindruck, dass eigentlich die meisten Gesetze überflüssig sind, je weiter man in der Lektüre des Buches voranschreitet. Außerdem werden hier wild Rechtsgebiete durcheinander gemischt, die keinerlei Bezug zueinander haben, nur um eine möglichst hohe Witzdichte im Buch zu Erzeugen, das zeugt weniger von rhetorischer Brillanz – denn ein guter Text braucht genauso Tiefen zwischen den Pointen, damit man diese noch als solche erkennt – sondern von fehlendem dramaturgischem Gefühl. Letztendlich wäre es viel interessanter gewesen, skurril anmutende Vorschriften in Bezug auf ihren Nutzen und deren Anwendung zu erklären und davor oder danach einen Witz darüber zu machen, so würden sich auch die Pointen besser abheben.

Im großen und ganzen ein enttäuschendes Buch, das höchstens dazu taugt auf der nächsten Party ein paar Lacher von Angetrunkenen zu ernten. Das Buch ist quasi eine Lachnummer. Wer es dennoch lesen möchte: Das Buch ist als Taschenbuch im Heyne Verlag erschienen und kostet 8,99€.

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