„Wissen Sie, mein ganzes Leben hatte ich das komische Gefühl, dass etwas Gewaltiges und Böses in der Welt vorgeht.”

“Nein, das ist nur völlig normale Paranoia, die kriegt jeder im Universum irgendwann.“

Dieses Zitat stammt von keinem geringeren als Douglas Adams und beschreibt unglaublich präzise das Gefühl, welches den Autor dieses Blogs beim morgendlichen Einschalten des Radios überkommt.

Es ist noch sehr früh und die Temperatur im Wagen liegt deutlich unterhalb des angenehmen Bereichs. Auf der Frontscheibe hat sich Tau niedergeschlagen.
*klick*

„Die Kosten der Energiewende, könnten sie dessen Akzeptanz kosten.“

„Am Sonntag wurde ein Leichtathletik-Kampfrichter durch einen Speer getötet.“

„CSU-Generalsekretär Dobrindt drängt Griechenland zum Euro-Austritt“

Der Start in den Tag war auch schon einmal besser, aber was soll’s, also das Gefährt auf die Straße und los geht’s. Während sich der „Spitzenpolitiker“ im Telefoninterview in Populismus übt, beginnen die Lautsprecher zu rauschen; ein Tunnel hat den Wagen verschluckt. Das die Griechen im Gegensatz keine Steuern gezahlt haben mag ja stimmen, allerdings gibt es nicht wenige Deutsche, die sich vor runden Silberlingen aus der Schweiz fürchten.
Die Straßen sind bis auf ein paar Berufspendler noch leer; das wird sich innerhalb der nächsten halben Stunde noch ändern. Die erste von 3 Stationen, schmale Häuser, vermutlich ehemals von Stahlarbeitern bewohnt auf beiden Seiten der Straße, hier und da ein vergammelter Maschendrahtzaun und Garnisonen von Spitzengardinen in den Fenstern. An manchen bröckelt die Fassade. „Trostlos“ ist das erste Wort, was mir in den Sinn kommt. Blinker rechts, an den Bordstein, Warnblinker, Tür auf. „Duten Morden“, der arme Junge kann kein „G“ sprechen. Er steigt ein. Ich fahr weiter.

„Tierpflegerin stirbt nach Raubtierangriff im Kölner Zoo“

„Bei Anschlägen in Dagestan im Kaukasus sterben 16 Menschen“

„Tropensturm Isaac bewegt sich weiter auf die Golfküste der USA zu“

Letzteres ist nicht ganz so schlimm, sind ja nur ganz viele starrköpfige Republikaner, die Mitt Romney widerwillig zum Präsidentschaftskandidaten küren. Auf die kann man verzichten.
Ein Schild teilt mir mit, dass ich mich in der Martin-Luther-King-Straße befinde, wie passend. Blinker rechts, an den Bordstein, Warnblicker, Tür auf. Kind zwei, drei und vier steigen zu. Auch sie habe Schwierigkeiten sich verständlich zu äußern. „Fluch dea Taribik anmache?“

„Immer mehr deutsche Rentner sind erwerbstätig“

„Viele Tote und Verletzte bei Selbstmordanschlag im Irak“

„Im Zuge der Kontroverse über die religiös motivierte Beschneidung von Jungen, wurde diese Frage nun der Ethikkommission vorgelegt“

Ausdruck von Religionsfreiheit oder Körperverletzung? Ersteres wäre es, wenn das Kind die Entscheidung seiner Eltern mit Eintritt der Religionsmündigkeit, dem 14. Lebensjahr, rückgängig machen könnte. Ein Kreuz, eine Kipa oder ein Kopftuch kann man abnehmen, die Vorhaut wieder dran nähen dagegen ist unmöglich. Ein Kompromiss wäre vielleicht, der religiösen Beschneidung ohne medizinische Notwendigkeit einen ähnlichen rechtlichen Status zuzuordnen wie dem Schwangerschaftsabbruch.
Die Dorfstraße windet sich den Hügel hinab, der Asphalt leuchtet mittlerweile orangerosa. Blinker rechts, an den Bordstein, Warnblinker, Motor aus. Das neue Schuljahr ist bereits 2 Wochen alt, doch diese eine Mutter ist die einzige, die sich nicht an den praktischen Fahrplan angepasst hat. Sie bringt ihren Sohn konsequent zu spät, auch ein „Guten Morgen“ war aus ihrem Mund noch nie zu hören. Tür auf. Er steigt ein. Ich fahr weiter.

„Dadadam Daa Dadadam Daa Dadadam Daa Dadadam
Dam Dam Damdamdamdada Dam Dam Damdam dadam“

Endlich ist die Sprachförderschule am Horizont in Sicht und die laute Fracht bald aus den Laderaum verschwunden. Und wieder ein Schritt für sie in ein besseres Leben, jedenfalls im Bezug auf ihre Sprachverständlichkeit. Was die Zukunft bringt kann besser oder schlechter sein, das weiß niemand.

Letztendlich komme ich aber zu einem ähnlichen Schluss wie Douglas Adams Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“.

„Die Erde: Weitestgehend harmlos.“

Der Leser fragt sich jetzt warum das alles hier steht und erst recht, was diese Geschichte auf derjurastudent zu suchen hat. Nun, die Antwort ist ganz einfach, auch der Autor ist auf den schnöden Mammon angewiesen, nicht nur miese Volljuristen müssen Taxi fahren um zu überleben. Und der Jurastudent muss außerdem Radio hören, um das Taxi fahren zu überleben.

Noch fragen?

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