Buchrezension: „Auf Bewährung – Mein Jahr als Staatsanwalt“

In seinem Erstlingswerk berichtet Robert Pragst von seinem Jahr bei der Staatsanwaltschaft in Berlin-Moabit, dass er während der Richterprobezeit absolvieren musste. Der Autor wurde 1971 geboren und verdiente sein Geld als Croupier, Bankkaufmann und Immobilienmakler bevor er das Jurastudium abschloss und sich für das Richteramt bewarb.

Aus dem Klappentext:

„Jung ist Robert Pragst und reichlich unerfahren, als er im Rahmen seiner Ausbildung zur Staatsanwaltschaft Berlin kommt. Diese Abordnung freut ihn nicht wirklich. In dem riesigen Apparat muss er sich erst einmal zurechtfinden, und das Dasein ist alles andere als glamourös. Verzweifelt kämpft er gegen mehrbändige Akten an, die sogenannten »Gürteltiere«. Schnell werden sie zu »Bauchwehakten«, denn als Neuling ist er zwangsläufig zu langsam, und die Zahl der offenen Verfahren steigt. Manche – dem Laien reichlich skurril anmutende – Vorschrift kostet zusätzlich viel Zeit.“

Durch das Buch ziehen sich zwei Handlungstränge, die zunächst parallel verlaufen und am Ende zusammenfließen. Der eine handelt vom Algerier Sinan H., einem brutalen Räuber, der andere von Robert Pragst und seinen ersten Erfahrungen bei der Staatsanwaltschaft. Durch die dadurch hervorgerufene Abwechslung liest sich das Buch sehr viel interessanter, als es das wahrscheinlich täte, wäre es eine bloße Aneinanderreihung von Anekdoten.
Sprachlich schön, mit Witz beschreibt Pragst den Zustand seines Dezernats und gibt Einblicke in den Justizapparat und zeigt auch die Problematiken desselben auf. Die Geschichte des Algeriers hingegen wirkt sehr stereotyp. Er ist halt ein durchschnittlich böser, ausländischer Räuber, der nur in Deutschland ist, um leichtes Geld zu machen. Das ist einerseits schade und lässt den Rahmenhandlungscharakter des Handlungsstranges erkennen, andererseits hat sich Robert Pragst auch nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt und zu viel Fiktion mit in sein Buch gepackt.
Wer einmal Staatsanwalt werden will sollte sich darauf gefasst machen mit dem ein oder anderen Zweifel konfrontiert zu werden, wenn Pragst die sich auf seinem Schreibtisch stapelnden Akten und den Leistungsdruck beschreibt, jedoch sollte man sich vor Augen halten, dass dies aus der Sicht eines angehenden Richters geschieht.

Etwas unjuristisch ist das Buch leider, das hat den Blogautor etwas enttäuscht. Allerdings ist dieses Buch auch keine Lehrwerk sondern zur Unterhaltung gedacht und das kann es – unterhalten. „Das kann Richter Alexander Hold auch“, werden jetzt viele sagen, aber im Gegensatz zu dem dort gezeigten Schmierenspiel kennen in diesem Buch alle ihren Text.
Wer also mal „reinschnuppern“ will in die Staatsanwaltschaft, ohne viel juristisches Beiwerk, das auch noch gut und amüsant erzählt, liegt hier nicht falsch.

Das Buch ist im dtv-Verlag erschienen und kostet 14,90€

Noch Fragen?

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