Warum man durch einen Kaufvertrag kein Eigentum erwerben kann

-Das klingt erstmal seltsam, denn es stellt sich die Frage, wie man sonst an Eigentum kommen soll.

Ein Kauf besteht aus drei Teilen, dem Kaufvertrag, der Übereignung des Kaufpreises und der Übereignung des Kaufgegenstandes. Der Kaufvertrag sorgt nur für die Ansprüche, die letztendlich zur gegenseitigen Übereignung führen. Erst mit der Übereignung geht das Eigentum über, also führt ein Kaufvertrag nicht zum Eigentumsübergang.

Ein Beispiel

Wer kennt das nicht? Man steht bei Starbucks, betet seine Bestellungslitanei herunter, dann kommt der schmerzhafteste Teil, die Bedienung nennt einem denn Preis des „Obenunduntenvonvorneundhintendreimalinachtengerührtenmitsahnehäubchenbelegten Espresso“. Der Schock sitzt im ersten Moment sehr tief, aber letztlich bezahlt man doch den Preis des modernen und nebenbei äußerst leckeren Citylifestyles. Jetzt gehört einem ja endlich der „Obenunduntenvonvorneundhintendreimalinachtengerührtenmitsahnehäubchenbelegten Espresso“. Aber weit gefehlt. Mitnichten hat man hier Eigentum an einem „Obenunduntenvonvorneundhintendreimalinachtengerührtenmitsahnehäubchenbelegten Espresso“ erworben, vielmehr hat man nun einen Anspruch darauf diesen zu erhalten. Deswegen ist hier auch das Beispiel Starbucks viel treffender um das sogenannte Abstraktionsprinzip zu erklären, schließlich muss man hier ja noch auf seinen Kaffee warten, nachdem man ihn bestellt und bezahlt hat. Der sonst so gerne und häufig zu diesem Zwecke strapazierte Bäcker, bzw. die Bäckereifachverkäuferin (je nach Emanzipations- und Political-Correctness-Grad des Dozenten) leiden hier unter der Unschärfe, dass man meinen könnte, dass durch den Kaufvertrag Geld gegen Brötchen getauscht werden. Eigentlich werden dabei aber nur die Ansprüche aus dem Kaufvertrag durch Übergabe und Übereignung erfüllt.

Kaufvertrag: Anspruch auf Erfüllung

Übereignung: Erfüllung des Anspruches, Eigentumsübergang

Noch Fragen?

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2 Kommentare zu “Warum man durch einen Kaufvertrag kein Eigentum erwerben kann

  1. Vielen Dank für das anschauliche Beispiel.
    Ja, die allseits bekannte Bäckereifachverkäuferin wurde in der ReFa-Ausbildung tatsächlich sehr gern bemüht. Im Brötchen verkaufen war sie jedoch bedeutend besser als im Unterrichten.
    Einprägsamer war dann im Studium das Bild des Drive-In. Man fährt zur Gegensprechanlage, schließt den Vertrag und wird gebeten, zu Fenster 1 vorzufahren. Dort darf man dann zahlen und weiter fahren. Zu guter Letzt kann man an Fenster 2 nun endlich die Papiertüte mit Burger, Fritten und Co. entgegennehmen.

    • Danke für das Lob! Das Drive-In-Beispiel finde ich aber auch sehr gut! Ich habe mich immer gefragt, warum man so wenige anschauliche Beispiel, wie einen Brötchenkauf oder generell andere Vorgänge zur Erklärung bemüht hat, die auf den Durchschnittsbürger eher wie ein Tausch anmuten.
      Bislang hat jeder, dem ich damit den Unterschied zwischen Schuld- und Sachenrecht erklärt habe, es mit diesem Beispiel auf Anhieb verstanden. Hinzu kommt meistens, dass diejenigen dann auch direkt verstehen, warum wir deswegen auch das Bereicherungsrecht brauchen, also zwei Fliegen mit einer Klappe.

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